„Pascal – Gödel“

Versuchen Sie alle Züge einer Schachpartie im Kopf nachzuspielen und Sie werden mit einem bösen Spleen bestraft.

Erinnerte Fragmente dieses Spiels beginnen hartnäckig Ihre Aufmerksamkeit zu beanspruchen. Sie soufflieren den falschen Text mitten in Ihren Gesprächen. Sie erwachen mit dem Aufstehen, blitzen vor dem Einschlafen auf, grinsen in verschobener Gestalt in Ihren Träumen. Das Argument, dass dieses Experiment sinnlos sei – sinnlos wird oft etwas genannt, das unsere Fähigkeiten übersteigt – wird diesen sich verselbständigenden Prozess nicht stoppen können.

Es kann sich noch steigern.

Angesichts mangelnder Konzentrationskraft, beschränkten Erinnerungsvermögens und einer ausgeprägten Schwäche beim Rekonstruieren von Räumlich-Zeitlichem muss man sich geschlagen geben.* Verwunderlich, dass wir unsere offensichtlichen Schwächen so selbstverständlich hinnehmen.

Man könnte eines versuchen: das entstandene Repertoire an Erinnerungsfragmenten aus dem Raum-Zeit-Kontinuum abzulösen und in einer neuen, für die Geometrie noch unbekannten Form erstarren zu lassen. Die Parallelwelt des Geistes ist voll von ähnlichen, im Nichts schwebenden, nicht näher definierbaren Denkobjekten.

Ein Trost: man weiß immer mehr als man denkt.

Mara Mattuschka

 

*Strategisch eingeleitete Schritte, wie zum Beispiel das Einbeziehen von materiellen Hilfsmitteln, das Aufschreiben der memorierten Züge, sowie die Zuhilfenahme der besonderen Fähigkeiten eines Eidetikers werden nicht in Betracht gezogen. Trotzdem kann ich nicht ausschließen, dass es Personen geben kann, die diese Aufgabe zu lösen imstande sind. Ich gehöre mit Sicherheit nicht dazu.

 

Pascal - Goedel